Foto: Zimmer mit altem Klavier und Ledersessel

Apothekerfrosch

Erinnern Sie sich an das Märchen von Dornröschen? Es beginnt damit, dass sich die Königin und der König sehnlichst ein Kind wünschten. Eines Tages saß die Königin im Bade als ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: „Dein Wunsch wird erfüllt werden“. Woher wusste das der Frosch?

Schwanger: Was sagt der Frosch? Was singen die Vögel?

Dass Grimms Märchen nicht nur schöne und schaurige Geschichten sind, sondern darüber hinaus noch viel mehr beinhalten, wird immer wieder von Sprach- und Literaturwissenschaftlern bestätigt. Zwischen den Zeilen der Märchen stecken ganze Bände europäischer Kulturgeschichte.

Die Begebenheit mit dem Frosch ist deshalb so bemerkenswert, da zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich Frösche zum Nachweis von Schwangerschaften eingesetzt wurden. Und zwar lebende Frösche. Nun wurde Dornröschen aber bereits 1812 veröffentlicht. Sprachen die Gebrüder Grimm etwa vom Schwangerschaftsnachweis durch den Frosch?

Aber nicht nur Frösche wurden zum Nachweis von Schwangerschaften verwendet. Zum Einsatz kamen zum Beispiel in der Antike Weizen und Gerstenkörner, die durch den Urin einer schwangeren Frau zu keimen beginnen sollen. Man glaubte auch, dass der Gesang spezieller Vögel die Geburt eines Kindes ankündigen würde. Auch wird von Schwangerschaftstests mit Regenwürmern und Mäusen berichtet. Lesen Sie dazu hier mehr.

Der Frosch aus der Apotheke

Was den Schwangerschaftstest mit dem Frosch so speziell macht ist, dass er offiziell in Apotheken durchgeführt wurde und daher auch als wissenschaftlich fundiert galt.

Ein Exemplar des Krallenfroschs

1930 entdeckte der englische Zoologe und Genetiker Lancelot Hogben bei seinen Untersuchungen am Afrikanischen Krallenfrosch, dass die Weibchen 18 Stunden nachdem man ihnen Urin einer schwangeren Frau injiziert hat, zu laichen beginnen. Kurze Zeit später fand der Argentinische Arzt Carlos Galli Mainini, dass männliche Krallenfrösche noch viel schneller auf den injizierten Urin einer Schwangeren reagieren: Innerhalb von nur zwei Stunden produzieren die Männchen Spermien, die man gut im Mikroskop nachweisen konnte.

Diese so genannten „biologischen Schwangerschaftstests“ nützen die Ähnlichkeit von zwei Hormonen aus: Das Schwangerschaftshormon hCG ist dem Hypophysenhormon LH sehr ähnlich, mit dem das Gehirn den Eisprung bzw. die Spermienproduktion steuert. Im Harn einer schwangeren Frau findet sich eine große Menge an hCG. Dieses wirkt im Frosch wie eine Überstimulation mit dem Sexualhormon LH und führt bei Weibchen zum Laichen und bei Männchen zur Spermienproduktion.

Immunologische Tests retten Fröschen das Leben

Afrikanische Krallenfrösche wurden bis in die 1960er Jahre in Apotheken zum Nachweis von Schwangerschaften verwendet. Daher bekamen die Frösche auch den Namen „Apothekerfrosch“ und der Schwangerschaftstest hieß „Froschtest“. Den Fröschen machte diese Untersuchung angeblich nichts aus. Jeder Frosch konnte etwa alle zwei Wochen für eine Untersuchung verwendet werden.

Heute wird der Froschtest längst nicht mehr als Routinetest verwendet. Das hat mehrere Gründe: Zum einen wäre wohl die Haltung von Fröschen in Apotheken zu aufwändig und zum anderen ermöglichten immunologische Verfahren, die in den 1960er Jahren entdeckt und seither weiterentwickelt wurden, wesentlich schnellere Ergebnisse. Man könnte wohl sagen, dass das Entdecken der immunologischen Tests den Fröschen das Leben gerettet hat. Ein weiterer Vorteil der modernen Tests ist, dass jede Frau selbst testen kann, ob sie schwanger ist oder nicht.

Würden sich Königin und König heutzutage sehnlichst ein Kind wünschen, müssten sie nicht auf die Antwort des Frosches warten. Sie könnten sich von der Palastapotheke nicht nur einen Schwangerschaftstest liefern lassen, sondern auch einen Test zur Bestimmung der fruchtbaren Tage, was die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft vielleicht erhöhen würde. Ovulationstests messen den LH-Wert im Urin der Frau. Das ist übrigens das Hormon, das den Austritt der Eizelle aus dem Eierstock auslöst. Oder bei weiblichen Krallenfröschen zum Laichen führt, wenn übermäßig viel davon vorhanden ist.

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