Foto: Zimmer mit altem Klavier und Ledersessel

Herr Biba erzählt über die Namen der Apotheken

Woher haben die Apotheken ihre Namen? Viele Apotheken heißen wie ihr Standort, wie zum Beispiel „Bahnhofsapotheke“ oder ehren eine berühmte Person, wie die Beethoven-Apotheke. Immerhin ein Zehntel der Österreichischen Apotheken sind nach einem Tier benannt: Adler, Löwe und Bär führen die Liste an.

Biber oder Gemse: Apothekennamen mit tierischen Geschichten

Ich finde es ja ausgesprochen lustig, dass es immerhin drei Biber-Apotheken in Österreich gibt. Natürlich haben diese nichts mit mir zu tun, mich schreibt man ja mit A, wie Apotheke. Trotzdem lächle ich immer, wenn ich an einer der Biber-Apotheken vorbei spaziere, wie zum Beispiel an der Apotheke „Zum Goldenen Biber“. Seit 1608 befindet sie sich in der Getreidegasse in Salzburg. Im 19. Jahrhundert bekam sie ihren heutigen Namen, denn damals war ein Sekret aus den Drüsensäcken des Bibers, das Castoreum, sehr beliebt als Mittel gegen Krämpfe, hysterische
Anfälle oder Nervosität. 
Nach einer anderen Tierdroge ist die Apotheke „Zur Gemse“ in Golling, Salzburg, benannt: sie erinnert uns an die frühe Verwendung von „Gemsenkugeln“ in der Volksmedizin, um etwa bei Kopfschmerzen „die Schlafstube auszuräuchern“.

Der schwarze Elefant: Apothekennamen mit Bezug zu speziellen Häusern

Die Apotheke „Zum schwarzen Elefanten“, die bis 1693 am Wiener Graben stand, hat zwar in ihrem Namen ein beeindruckendes Tier – der Name aber bezieht sich auf ein Relief an der Hausmauer. Die frühesten Apothekennamen gehen nämlich meist auf Hausnamen zurück. Das passierte vor diesem Haus: Erzherzog Maximilian hatte bei seinem Einzug in Wien im Jahr 1552 einen schwarzen Elefanten mit dabei. Als ein kleines Kind dem Elefanten vor die Füße stolperte, trat dieser nicht etwa drauf sondern nahm es mit seinem Rüssel und gab es der Mutter zurück. Dem Elefanten zu Ehren bekam das Haus ein Relief und wurde „Elefantenhaus“ genannt.

Am häufigsten: Namen mit religiösem Inhalt

Am häufigsten finden wir jedoch Apothekennamen mit religiösen Inhalten. Hier fallen mir gleich die Fülle an Apotheken mit Mariennamen auf. Fast 90 der über 270 Apotheken mit Namen von Heiligen tragen einen Mariennamen, vor allem in Wien und Niederösterreich sind diese Namen besonders häufig.
Warum? Das hat mit unserer Habsburg-Geschichte zu tun: Die habsburgischen Herrscher waren bemüht, den katholischen Glauben besonders zu vertiefen, was man an der Zahl der der heiligen Maria geweihten Kirchen und Kapellen erkennt – oder eben auch den Marienapotheken.

Nachforschung mit detektivischem Geschick

Wo eine Apotheke steht oder stand hat auch großen Einfluss auf ihren Namen, wie das Beispiel der Apotheke „Zum Schwarzen Elefanten“ zeigt. Als die Apotheke 1639 übersiedelte, bekam sie aber einen neuen Namen. Ein wenig komplizierter wird die Nachforschung, wenn sich Standortnamen selbst ändern. Die „Mathildenapotheke“ am Wiener Gaußplatz ist dafür ein gutes Beispiel, denn sie ist nicht nach einer berühmten Mathilda benannt. Hier hilft uns die Lokalgeschichte weiter: Bis 1919 hieß der Gaußplatz Mathildenplatz, benannt nach der Tochter des Erzherzogs Albrecht.
Apotheken tragen natürlich oft einen Namen nach einer historisch wichtigen Person. Aber in diesem Fall handelt es sich um einen echten Standortnamen. Eine Spitzfindigkeit.

Die Geschichte lebt in den Apothekennamen weiter

Apothekennamen geben viele Hinweise über die Geschichte und Gesellschaft. Sie beinhalten unglaublich viel geistiges Kulturgut. Ganz eng verknüpft mit unserer Geschichte sind beispielsweise die Hofapotheken, die nach ihrer ursprünglichen Aufgabe benannt wurden. Sie hatten seit dem 16. Jahrhundert eine besondere Funktion in den Habsburgischen Residenzstädten.

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