Foto: Zimmer mit altem Klavier und Ledersessel

Apotheker als Erfinder

Wussten Sie, dass früher Flugzeuge und Zeppeline mit UHU geklebt wurden? Welche Teile davon ist leider nicht überliefert, aber in einer alten Reklame von UHU, auf die ich unlängst gestoßen bin, wird jedenfalls damit geworben. Ich stöbere ja gerne in der Apotheken-Geschichte und sammle dabei Kurioses und auch Erzählenswertes. Der erste Kunstharzkleber UHU wurde nämlich 1932 von einem Apotheker erfunden. Für Dr. August Fischer aus Baden-Württemberg war der damals übliche Leimkleber aus Fischknochen nicht kräftig genug und er forschte nach anderen Möglichkeiten.

Pepsi Cola: Ein Erfrischungsgetränk aus der Apotheke

Aber nicht nur UHU ist eine dieser Erfindungen, die in einer Apotheke ihren Ursprung nahmen – obwohl man das vielleicht nicht vermuten würde. Auch Pepsi Cola wurde von einem Apotheker erfunden. Caleb Bradham aus North Carolina mixte in seiner kleinen Apotheke mit Hilfe einer so genannten soda-machine ein Erfrischungsgetränk mit den Inhaltsstoffen Pepsin und Cola-Nüsse. Zuerst nannte er es Brad´s drink, ab 1898 dann aber Pepsi Cola. Pepsi Cola ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Getränke, das mit einer soda-machine in einer Apotheke hergestellt wurde.

Sodawasser: Ein Wiener Apotheker mischte mit

Die Entwicklung der Abfüllanlagen von Sodawasser ging wieder auf findige Apotheker zurück – einer davon war der Wiener Apotheker Anton Fierlinger, der 1799 eine „bequeme Art, kohlensaures mineralisches Wasser nachzumachen“ fand. Fierlinger war nicht der einzige Apotheker, der erkannte, dass eine künstliche Herstellung von Sodawasser lukrativ und praktisch war – es lag sozusagen in der Luft, denn die wissenschaftlichen Grundlagen waren gelegt und die Leute hatten Durst auf Neues.

Gasbeleuchtung: So kam das Gaslicht nach Österreich

Ähnlich war es mit der Gasbeleuchtung, mit der der Apotheker Josef Moser 1816 erstmals in Wien ein Schaufenster beleuchtete. Die Zeit war reif für die technische und chemische Entwicklung und es gab nur noch Details zu lösen, bevor eine weitere Erfindung auf den Markt kommen konnte. Steinkohle, aus der das Gas für die Lampen hergestellt wurde, konnte zwar in England bequem in Städte hinein zur Weiterverwendung transportiert werden – in Österreich war das aber nicht möglich. Was musste passieren, um eine Gasbeleuchtung für Wien zu entwickeln? Josef Moser fand eine Lösung: Statt mit Steinkohle erzeugte das Leuchtgas aus Erdpech (Bitumen), das in der Apotheke damals schon eine große Rolle zum Beispiel in Salben gespielt hat.

Warum sind Apotheker so gute Erfinder?

Betrachten wir nochmal die Situationen, in denen sich die Apotheker befanden – sie haben einen Bedarf erkannt, wie etwa einen Kraftkleber oder den Durst nach Sodawasser, haben experimentiert und neue Lösungen gefunden. Apotheker waren vor allem im 19. Jahrhundert viel mit chemischen Experimenten beschäftigt, sie waren (und sind es noch immer!) auf diesem Gebiet gut ausgebildet. Aber zur guten Ausbildung kommt bei den Apothekern noch etwas hinzu: Sie tragen in sich eine Kombination aus Erfindergeist, praktischer Anwendung und Geschäftssinn. Ideal, um für Probleme Lösungen zu finden! Die Erfindungen der Apotheker konnten daher immer recht schnell verwendet und verkauft werden, wie zum Beispiel Pepsi Cola oder UHU.

Arzneimittel zu Heilzwecken und die Entdeckung von Morphin

Aber es gibt natürlich auch Erfindungen aus dem Gebiet der chemischen Grundlagenforschung, die zum Beispiel wesentlich zur Weiterentwicklung der Medizin beigetragen haben. Wobei man in diesem Fall weniger von Erfindung sondern vielmehr von Entdeckung sprechen kann. 1804 entdeckte der Apothekergehilfe Friedrich Wilhelm Adam Sertürner das Morphin.

Ausgangspunkt war wieder eine praktische Frage: Wie kann man die Wirkung von Opium zuverlässig steuern? Opium war um diese Zeit ein beliebtes Schlafmittel, die Dosierung war jedoch eher zufällig. Sertürner isolierte Morphin aus Opium und wurde ganz nebenbei Begründer einer wichtigen Stoffklasse, der Alkaloide.

Bemerkenswert finde ich, dass Sertürner ein totaler Autodidakt war. Leider fand seine erste Arbeit zunächst kaum Beachtung, was Sertürner glücklicher Weise nicht davon abhielt, weiter und genauer zu forschen. Für seine nächste Arbeit über Alkaloide und Morphin beschrieb er auch die Wirkung auf den menschlichen Körper – basierend auf Experimenten an sich selbst und drei weiteren Personen, was sie alle fast das Leben gekostet hätte! Diese Arbeit war bahnbrechend und zeigte, dass aus Arzneidrogen Stoffe isoliert werden können, die in Therapien verwendet werden können. Sertürners Forschung leitete einen Paradigmenwechsel in der Herstellung von Arzneimittel ein und war der Grundstein für die moderne Pharmakotherapie, also der Anwendung von Arzneimittel zu Heilzwecken.

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Mehr über berühmte Apotheker habe ich hier zusammengefasst

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