Foto: Zimmer mit altem Klavier und Ledersessel

Die Schätze der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer

Franz Biba mit dem größten Buch der Bibliothek

Darf ich Ihnen gleich zu Beginn unserer kurzen Führung durch die Bibliothek mein derzeitiges Lieblingsbuch zeigen, bevor ich es wieder in den Schatzkasten räume? Es kam vor kurzem frisch aus der Restaurierung und das ist immer ein sehr spannender Moment. Noch dazu ist es unser größtes Buch, nämlich die Aroideae Maximilianae aus dem Jahr 1879, herausgegeben vom Botaniker Heinrich Wilhelm Schott. Schott begleitete Kaiser Maximilian auf seiner Brasilien-Expedition zwischen 1817 und 1821. Das Buch beinhaltet die gesammelten Arongewächse nach handschriftlichen Aufzeichnungen Schotts.

Buch-Paten gesucht

Wir haben in der Bibliothek noch etwa 500 weitere Bücher, die auf Restaurierung warten. Es sind wahre Schätze, die wir teilweise garnicht berühren sollten, um sie vor dem Auseinanderfallen zu bewahren. Für die Restaurierung suchen wir Buch-Paten, die sich am Aufwand der Restaurierung beteiligen. Bei Interesse können Sie sich direkt an mich oder meine Kollegin in der Bibliothek wenden.

Über 100.000 Bücher und Zeitschriften

Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer liegt im neunten Wiener Gemeindebezirk, im so genannten Apothekerhaus im dritten Stock. Sie ist nach Anmeldung öffentlich zugänglich und es kommen immer wieder Gäste, die hier unsere Bücher lesen. Der Lesesaal ist im historischen Teil der Bibliothek, wo etwa 8.000 Bücher stehen. Insgesamt haben wir in der Bibliothek aber etwa 100.000 Bücher und Zeitschriften. Wir verborgen die Bücher nicht, aber wir haben genügend Platz im Lesesaal für unsere Gäste und beantworten Anfragen auch gerne per Email oder Telefon.

Der Schatzkasten der Bibliothek

Das älteste Buch der Bibliothek – Das Kleine Destillierbuch von Hieronymus Brunschwig

Im Lesesaal befindet sich auch unser Schatzkasten – ein versperrter, unauffälliger Buchkasten mit unseren wertvollsten Büchern. Hier steht auch unser ältestes Buch, eine Inkunabel, die am 8. Mai 1500 in Straßburg gedruckt wurde. Das Kleine Destillierbuch von Hieronymus Brunschwig ist natürlich noch voll im Sinn der Alchemie verfasst und zeigt, wie man aus Pflanzen durch Destillation Kraft und Geist schöpfen kann. In Österreich gibt es davon nur zwei Exemplare – das zweite war lange in Besitz der Landschaftsapotheke Judenburg, eine der ältesten Apotheken Österreichs, und befindet sich nun in der Universitätsbibliothek Graz.

Versteckte Bücher

Die Bücher aus dem Schatzkasten sind wichtige und auch wirklich schöne Bücher aus der Geschichte der Pharmazie. Dank des persönlichen Einsatzes des Bibliothekars Dr. Thormann während des zweiten Weltkriegs wurden die Bücher nicht nach München gebracht, sondern blieben in Wien – teilweise versteckt. Erst vor ca. zehn Jahren haben wir eines dieser Bücher gefunden, als die Bibliothek restauriert wurde. Das Buch stand hinter einem Regal in einem Hohlraum, es heißt Die natürliche Historie der Frösche hiesigen Landes von Rösel von Rosenhof und ist sehr kunstvoll illustriert.

Goethes Wahlverwandtschaften

Einige der Buch-Schätze haben wir auch im Schaukasten ausgestellt, wie etwa das Buch des Pharmazeuten Johann Friedrich August Göttling, der mit Goethe in Weimar in regem Austausch war. Göttling verfasste 1802 das erste Hochschullehrbuch der qualitativen Analyse in dem er auch die damals neu entdeckten chemischen Affinitäten beschreibt, die zu jener Zeit aber noch Wahlverwandtschaften hießen. Dieser Titel hat übrigens Goethe zu seinem Werk Die Wahlverwandtschaften inspiriert.

Bibliothek als Lesegesellschaft 1802 gegründet

Franz Biba in der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer

Im gleichen Jahr, in dem Göttling das Hochschullehrbuch veröffentlichte, wurde auch die Pharmazeutisch-Chemische Lesegesellschaft gegründet, der Ursprung dieser Bibliothek. Zu jener Zeit, also rund um 1800, ausgehend von den Entdeckungen Antoine Laurent de Lavoisiers, befand sich die Chemie im Umbruch. Die neuen Bücher waren nicht leicht zu bekommen und so gründete der Wiener Apotheker Josef Moser 1802 die Lesegesellschaft. Moser war übrigens ein weitgereister Apotheker und auch Schüler Lavoisiers in Paris. Die Mitglieder der Lesegesellschaft trafen sich vorerst in der Privatwohnung Mosers, um die neuen Bücher zu lesen und zu besprechen. Zu Moser kann ich Ihnen auch eine schöne Geschichte erzählen – denn er war der erste Apotheker, der seine Apotheke, die Wiener Löwenapotheke in der Josefstädterstraße, mit einer Gaslampe beleuchtete. Eine Sensation, die sich sogar der Kaiser persönlich anschauen kam. Aber darüber erzähle ich ihnen mehr zu einer anderen Biba-Time.

Kontakt:
bibliothek@apothekerkammer.at
Wir sind für Sie da, wenn Sie z.B. Scans per Mail brauchen. Wir haben einen digitalen Katalog über die vorhandenen Medien. Bibliotheksführungen finden nach Anfrage statt.

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