Foto: Zimmer mit altem Klavier und Ledersessel

Exotische Tiere in Apotheken

Ausgestopftes Krokodil in Apotheke

Ich habe ein erstaunliches Bild in meinem Privatarchiv gefunden, das möchte ich Ihnen gerne zeigen. Es ist auf den ersten Blick ganz banal – eine Alltagsszene aus einer Apotheke, etwa Ende des 17. Jahrhunderts (es zeigt die Offizin der Engel-Apotheke in Darmstadt). Aber: Sehen sie das ausgestopfte Krokodil? Und was Sie auch noch erkennen können: es sind keine KundInnen in der Apotheke.

Es war nämlich nicht immer so, dass die so genannte Laufkundschaft einfach in die Apotheke hineinspazieren durfte, um sich Medikamente zu kaufen. Die Offizin, also der heutige Verkaufsraum, galt früher als reine Werkstatt. Arzneimittel wurden einzig und alleine über ein Fenster verkauft. Ähnlich wie heute bei den Nachtapotheken.

Vom Arbeits- zum Erlebnisraum

Etwa zur Barockzeit veränderte sich grundlegend die Funktion der Offizin. Sie wurde zum sichtbaren Aushängeschild der Apotheken. Viele Apotheken gestalteten daher den Verkaufsraum wie einen wahren Erlebnisraum mit ansprechendem Mobiliar. Direkt an der Tara, einem großen Rezepturtisch mit Waagen und diversen Mörsern, wurden die Arzneien zubereitet. Rundherum standen Schränke und Regale. Oft reichten diese bis zur Decke hinauf und waren prall gefüllt mit Gläsern, glasierten Gefäßen, Töpfen und Tiegeln aus unterschiedlichen Materialien wie etwa Porzellan, Blei, Eisen, Silber, vergoldeter Zinn oder Horn. Je nach Kostbarkeit und Art ihres Inhalts.

Exotische Tiere für den mystischen Touch

Was hat es nun mit dem Krokodil auf sich? Die Barockzeit war auch die Zeit der Kolonien. Länder, Kulturen und neue Heilmittel wurden entdeckt. Die Pflanzen aus den neu entdeckten Welten wurden bei uns zuerst pharmazeutisch eingesetzt – so wie etwa der Paprika als Heil- und Schmerzmittel. Das Capsicum des Paprikas wurde beispielsweise als breiige Paste auf die Haut aufgetragen wie ein Schmerzpflaster. Aber auch die Tomate galt als exotisches Arzneimittel. Und auch Zuckersirup gab es zunächst nur in der Apotheke zu beziehen. Oder Rosenwasser.

Um zu zeigen, dass die sie weltoffen sind und exotische Arzneimittel aus aller Welt anbieten, schmückten viele Apotheken daher ihren Verkaufsraum mit ausgestopften Tieren, die direkt über der Tara aufgehängt wurden. Besonders beliebt waren Krokodile, aber auch große Fische kamen vor. Je ausgefallener und exotischer, desto besser! Heutzutage gibt es diese exotischen Tiere nichtmehr zu sehen – das würde auch nicht passen. Und Paprika, Tomaten, Zucker oder Rosenwasser kann man längst nicht mehr in der Apotheke kaufen. Zum Glück gibt es noch die Zeitdokumente, aus denen wir auch oft Skurriles aus der Geschichte der Apotheken ablesen können.

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